Die Geschichte mit den fehlenden Behördenmitgliedern

Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden seien nur schon deshalb unumgänglich, weil es zunehmend schwierig bis unmöglich werde, genügend fähige Behördenmitglieder zu finden. So lautet eines der gängigsten Argumente für das Strukturreformprojekt "KirchGemeindePlus" der reformierten Landeskirche Zürich.

 

Schauen wir mal ins CV eines bestimmten zürcherischen Kirchenpflegepräsidenten: Prorektor des Literaturgymnasiums Rämibühl mit dem vom Regierungsrat verliehenen Titel "Professor an der Kantonsschule". Hauptmann der Übermittlungstruppen a.D. Mitglied der bildungsrätlichen Kommission Volksschule/Mittelschule. Zünfter. Langjähriger Ortsparteipräsident. Mitglied der kantonalen Kirchensynode und daselbst langjähriges Mitglied der Rechnungsprüfungskommission. Gründer und Vorstandsmitglied eines Hilfswerks. Und eben – bis vor kurzem – Präsident einer grösseren Kirchgemeinde im Bezirk Uster. Er wurde, zusammen mit einem weiteren Mitglied der Kirchenpflege, vom Zürcher Kirchenrat suspendiert. Beziehungsweise abgesetzt, denn eine Rückkehr ins Amt erscheint aufgrund der Umstände äusserst unwahrscheinlich.

 

Und dies, obschon bisher keine der laufenden Untersuchungen in der betreffenden Kirchgemeinde Vorwürfe gegen den Kirchenpflegepräsidenten zu Tage gefördert hätten. Die einschneidende Massnahme erfolgte laut der Landeskirche aufgrund der Erfahrung, dass es in schwerwiegenden Konfliktsituationen besser sei, die Betroffenen zu suspendieren. Im Konflkt in der bewussten Kirchgemeinde geht es in erster Linie um zwei Pfarrerinnen, die nicht miteinander klar kamen.

 

Wir erinnern uns: In Zürich kann die Stadtexekutive ihre Finanzkompetenzen um das X-Fache überschschreiten, ohne dass Bezirks- und Regierungsrat aufsichtsrechtlichen Handlungsbedarf sehen. Bei der Landeskirche wird man als Kirchgemeindepräsident unter Umständen vom Hof gejagt, einfach weil es sich so ungestörter administrativuntersuchen lässt.

 

Wie sich das wohl auf die Motivation gut vernetzter und profilierter Leute auswirken mag, sich für ein kirchliches Behördenamt zur Verfügung zu stellen? Wohl schwerwiegender als eine nicht vollzogene Fusion im Rahmen von "KirchGemeindePlus".

 

Thomas Illi, Mitglied der kantonalen Kirchensynode

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dorothe Kienast (Donnerstag, 16 Februar 2017 19:11)

    O Thomas, mich schüttelt es grad gehörig durch. Ich kenne den Fall Fällanden nur aus der Zeitung. Aber ich habe ja auch erlebt, dass man ein Behördenmitglied lieber fallen lässt (und als Behördenmitglied lässt man sich das gefallen, weil man nicht noch mehr Unfrieden stiften will), weil das einfacher ist, als das dahinterliegende Problem zu suchen und anzugehen. Weil es einfacher ist, weg- als hinzuschauen (auch nicht als Aufsichtsbehörde). Diese Kirche kann sich Menschenverschleiss offensichtlich leisten. Das macht mich traurig und wütend (und jetzt weiss ich nicht grad genau, was mehr)

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