Nach dem Eklat im Bezirk Hinwil: Nachdenken, neu aufgleisen

 

«Ich habe einen Traum», führte am 5. Juli ein Synodemitglied aus dem Bezirk Hinwil vor dem kantonalen Kirchenparlament aus: den Traum von einer einzigen, bezirksweit vereinigten Kirchgemeinde. Die Synode möge doch jetzt, bei der Beratung der Rahmenbedingungen für «KirchGemeindePlus», das weit fortgeschrittene Hinwiler Projekt nicht bremsen.

 

Das Votum war nicht ganz aktuell. Denn zeitgleich vermeldete der «Zürcher Oberländer» bereits online die drei Rücktritte aus der Projektorganisation und die vorläufige Sistierung der Projektarbeiten im Bezirk Hinwil. Was nach aussen lange als Vorzeigeprojekt galt, ist in Wirklichkeit zumindest vorläufig auf Eis gelegt.

 

Nun ist es ja nicht so, dass es keine warnenden Stimmen gegeben hätte: Warum diese Eile? Warum den Kirchenrat noch überholen mit dem Fusionstempo? Warum nicht zuwarten, bis die Synode - das gesetzgebende Organ in der Zürcher Landeskirche - materielle Entscheide gefällt hat, wie es mit «KirchGemeindePlus» weitergehen soll?

 

Sogar als im letzten Herbst die Synode einen ersten Bericht des Kirchenrats zurückgewiesen hatte, war das kein Grund für die Hinwiler Projektorganisation, das Tempo zurückzunehmen, im Gegenteil. Das Vorzeigeprojekt mutierte immer mehr zum «unguided missile», Ausdruck davon waren etwa eine gutbezahlte Projektleiterstelle und ein eigener Internetauftritt mit einem Domainnamen (www.kirche-bezirk-hinwil.ch), der keinen Zweifel offen liess, wohin die Schnellzugsreise führen sollte: in eine Megafusion aller elf Kirchgemeinden im Bezirk Hinwil.

 

An einer Bezirkskonferenz Ende Mai in Wald entlud sich allerdings der wachsende Unmut der Kirchenbasis. Und als schliesslich der Kirchenrat seine neuen Anträge an die Synode präsentierte und insbesondere ankündigte, bis Januar 2017 bei den Kirchgemeinden eine breite Vernehmlassung über seinen Reformplan durchzuführen, muss es auch der Projektorganisation gedämmert haben, dass man sich wohl verrannt hat.

 

Denn der Reformplan des Kircherates wollte in verschiedener Hinsicht so gar nicht zum vorausgeeilten Hinwiler Projekt passen. Beispielsweise machte der Kirchenrat in seinem Bericht klar, dass er in fusionierten Gemeinden keine lokalen Substrukturen wolle. Genau darauf, auf «lokalen Kirchenkommissionen», aber basierte das Modell «Megafusion». Auch das Alternativmodell, das von einer Kooperation der elf Gemeinden ausging, schien nach den neuesten Plänen des Kirchenrates so nicht möglich.

 

Die Strategie, dass man einfach rasch vollendete Tatsachen schaffen und durch die normative Kraft des Faktischen Kirchenrat und vor allem Synode dazu bringen könnte, die Hinwiler Ideen zu übernehmen, erwies sich wohl plötzlich als zu riskant.

 

Was nun? Den Projektverantwortlichen - Verbleibenden wie Zurückgetretenen - kommt das verdankenswerte Verdienst zu, die Diskussion im Bezirk richtig lanciert zu haben. Darauf kann gebaut werden, wenn sich neue Leute nach einer längeren Denkpause daran machen, «KirchGemeindePlus» im Bezirk Hinwil neu aufzugleisen. Dabei wird aber in erster Linie zu berücksichtigen sein, was die einzelnen Gemeinden in ihren Vernehmlassungsantworten vorbringen. Es wäre wohl ein grosser Fehler, wenn man erneut versuchen würde, topdown alle Gemeinden über einen Leisten zu schlagen.

 

Thomas Illi, Mitglied der Kirchensynode

 

 

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