«KirchGemeindePlus»: Nervenflattern im Oberland

Voraussichtlich am 5. Juli – sofern kein Verschiebungsantrag gestellt wird – entscheidet die Zürcher Kirchensynode über die weiteren Schritte im Strukturreformprozess «KirchGemeindePlus». Im Zürcher Oberland, präziser im Bezirk Hinwil, liegen vor diesem Datum anscheinend die Nerven blank. Eine öffentliche Bezirksveranstaltung Ende Mai hatte gezeigt, dass die Basis wenig hält von den ehrgeizigen Plänen einer Projektgruppe, alle elf Kirchgemeinden zu einer einzigen Bezirks-Kirchgemeinde zusammenzuführen. Heftigst kritisiert wurde insbesondere, dass der Prozess im Bezirk Hinwil undemokratisch verlaufe.

 

Seither jagen sich die Krisensitzungen. Und mehren sich die seltsamen Vorgänge: Auf Facebook beschwerte sich eine ehemalige Wetziker Kirchenpflegerin öffentlich, ihr sei an der örtlichen Kirchgemeindeversammlung bei einem kritischen Votum zum Thema «KirchGemeindePlus» das Mikrofon abgestellt worden. Ihre abgewürgte Rede findet sich nun wörtlich in den Sozialen Medien und wird munter geteilt.

 

Das unter Druck stehende Projekteam seinerseits hat die Synodalen des Bezirks auf Ende Juni zu einer Sitzung der so genannten Steuerungsgruppe eingeladen. Die Steuerungsgruppe ist das Gremium, das schlussendlich entscheiden will, welches Fusionsmodell im Bezirk weiterverfolgt wird. Die Einladung zum Informations-Update war allerdings verbunden mit der Aufforderung an die Kirchenparlamentarier, je ein Zwei-Minuten-Statement vorzubereiten zur Frage: «Was vertrete ich in der Synode/Wofür setze ich mich ein?».

 

Diese Aufforderung an die Parlamentarier, eine Woche vor der Synodeverhandlung bei der Projektorganisation des Bezirks – und in Anwesenheit des aus Zürich anreisenden Kirchenratspräsidenten! – die Hosen runterzulassen und Rechenschaft abzulegen über ihr zu erwartendes Verhalten in der Synode, haben nicht alle Synodalen goutiert. Wer allerdings bei den Projektverantwortlichen diese Zitierung zum Rapport als übergriffig monierte, wurde flugs von der ganzen Veranstaltung wieder ausgeladen und damit von wichtigen Informationen ausgeschlossen. Manipulative Einlussnahme nach bewährter Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie im Stile Bismarcks.

 

Thomas Illi, Mitglied der Kirchensynode

 

 

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